©David Seile Erste Bank

Wir stehen am Gas mit angezogener Handbremse!

Kommentar, Thomas Uher, Vorstandsvorsitzender der Erste Bank Österreich

 

Die Österreichischen Unternehmen brauchen wieder mehr Freiheit. In den vergangenen Jahren waren es über 37.000 Personen, die jährlich den Schritt in die Selbständigkeit wagten. Jeden Tag werden in Österreich 110 Unternehmen gegründet. Ich bewundere den Mut jener Menschen, die sich das trauen, denn sie sind mit vielen Herausforderungen konfrontiert. PolitikerInnen lassen sich gerne mit jungen erfolgreichen Unternehmern ablichten, aber wenn es um Bürokratieabbau, Investitionsförderungen oder Senkung der Lohnnebenkosten zur Stärkung des Standortes geht, befällt die meisten eine fast chronische Taubheit.

Die Kreativität, um die leeren Staatskassen zu befüllen, kennt keine Grenzen: die Registrierkassenpflicht und auch die Anhebung der Kapitalertragssteuer, zeigen das ganz deutlich. Die Steuerreform 2015 wurde mit Sicherheit nicht für die rund 500.000 Selbständigen in Österreich gemacht. Gleichzeitig wundert man sich, warum der Standort Österreich Jahr für Jahr abrutscht und die Arbeitslosenzahlen in riesigen Schritten Richtung zehn Prozent marschieren. Das ist die höchste Arbeitslosenrate in der Geschichte der zweiten Republik und sie wird, laut dem österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung, erst in zwei bis drei Jahren wieder sinken. Schnell wird der Vorwurf laut, dass die heimischen Banken trotz günstiger Zinsen keine Kredite mehr an Unternehmen vergeben. Alternative Finanzierungsformen wie Crowdfunding erfahren derzeit einen großen Zuspruch. Sie werden zwar politisch forciert sind aber tatsächlich nur für eine kleine Gruppe von Unternehmen interessant und bergen viele Risiken für die Investoren in sich. Dabei wird jedoch vergessen, dass wir Banken gerne Kredite vergeben – schließlich ist es ja unser Kerngeschäft. Aufgrund der Basel-Regulierungen verglühen wir aber trotz billigem Geld auf der Batterie des Wirtschaftsmotors. 2015 verzeichnete unser Finanzierungsneugeschäft ein Wachstum von 7,4 Prozent. Jede Woche helfen wir unzähligen JungunternehmerInnen frisches Geld zu bekommen, doch trotz dieser erfreulichen Zahlen gibt es noch Luft nach oben. Bei einem Leitzins von 0,05 Prozent in der Eurozone sind Kredite so günstig wie lang nicht mehr und das könnte der europäischen Wirtschaft einen beachtlichen Schub geben.

Zudem muss man beachten, dass die günstigen Zinssätze sowie die neuen Basel-Regelungen, nur Konzernen helfen, die bereits über große Mittel verfügen. Die Klein- und Mittelständischen Betriebe, die in Österreich zu 90 Prozent vorherrschen, sowie Jungunternehmen können davon also nicht profitieren. Hier braucht es dringend ein Umdenken! Die heimischen Banken stehen mit dem Fuß am Gas, aber uns wurde die Handbremse angezogen. Für unsere kleinstrukturierte, heimische Wirtschaft braucht es wieder Deregulierung und Freiheit, damit wir nicht den Anschluss verlieren. Die österreichische Politik soll sich nicht nur bei Presseterminen mit Start-ups zum heimischen Unternehmertum bekennen, sondern mit einer klugen Wirtschaftspolitik. Nur dann bräuchten sich heimische Wirtschaftsminister und andere Politik-Granden nicht mehr davor zu fürchten, von frustrierten Wirten nicht bedient zu werden.