©Daniel Triendl

Was Sie schon immer über Crowdfunding wissen wollten.

von Herta Scheidinger

 

Am Anfang steht eine gute Idee. Doch um damit durchzustarten fehlt oft das nötige Kleingeld. Für die, die keine klassischen Finanzierungswege beschreiten wollen gibt es mittlerweile eine attraktive Alternative. Crowdfunding hat die österreichische Start-up-Szene längst erobert. Doch was ist das eigentlich? 12 Fragen und Antworten zum Thema Crowdfunding. 

1. Was ist Crowdfunding?  

Viele Investoren finanzieren durch kleinere Geldbeträge innovative Geschäftsideen und Projekte. Die Menge „Crowd“ gibt dem Unternehmer Geld, damit dieser seine Idee umsetzen kann. Die Unternehmer holen sich beim Crowdfunding aber nicht nur Geld zur Verwirklichung ihrer Projekte, sondern profitieren auch davon, dass der Investor oft mit zu entwickeln beginnt und ein erstes Feedback gibt. Das ist auch eine Chance für das Unternehmen.

2. Wann wird Crowdfunding zur Finanzierung eingesetzt?

Start-ups mit innovativen Geschäftsmodellen bleiben die klassischen Finanzierungswege häufig versperrt. Crowdfunding schließt die Finanzierungslücke zwischen Produktentwicklung und Markteintritt. Es ist ein Instrument der Frühphasenfinanzierung und liefert Risikokapital für den Aufbau von jungen Unternehmen oder für die Finanzierung von Projekten. „Der Fokus liegt auf der Finanzierung von Innovationsvorhaben von mittelständischen Unternehmen sowie Start-ups“, so Reinhard Willfort, Gründer der Crowdfunding-Plattform „1000×1000“.

3. Ist die Öffentlichkeit der Kampagne ein Risiko für die Unternehmer?

Der öffentliche Ablauf der Funding-Kampagne und die daraus entstehende Transparenz haben auch Schattenseiten. So wird natürlich auch ein Misserfolg nach außen sichtbar. Auch müssen viele Informationen und Einzelheiten aus dem Unternehmen öffentlich gemacht werden, um die Investoren für das Projekt zu begeistern. Oft gibt es die Befürchtung, dass die Veröffentlichung der Informationen für Start-ups mit innovativem Geschäftsmodell eine Gefahr darstellen könnte. „Die Gefahr, dass die Idee gestohlen wird, ist aber überschaubar. Die Gründer haben immer Angst vor Ideenklau, das trifft aber in der Realität nicht so zu“, beruhigt Daniel Horak von der Crowdinvesting-Plattform Conda. „Der Unternehmer muss natürlich auch nach erfolgreicher Sammlung weiter in der Öffentlichkeit bleiben, um für seine Investoren transparent zu sein. Nach der Finanzierung muss man ehrlich und offen weiter kommunizieren“, so Horak.

4. Wie hoch ist das Risiko für die Investoren?

Bei einer Insolvenz des Unternehmens sind Rückzahlungen für die Investoren nicht zu erwarten. Die gesamte Investitionssumme kann verloren gehen. „Die Verlustgefahr gibt es natürlich. Wir raten immer, nur Geld zu investieren, bei dem man den Verlust verkraften kann“, so Horak. Außerdem ist es ratsam, nicht alles auf ein Pferd zu setzen. Durch eine Streuung ihres Risikokapitals auf mehrere Projekte können die Unterstützer das Investitionsrisiko senken.

5. Welche Projekte sind für Crowdfunding geeignet?

Unternehmen aus jeder nur erdenklichen Branche sind via Crowdfunding auf der Suche nach Kapitalgebern, vom klassischen Start-up über lokale Gründungsprojekte bis zum KMU-Bereich. Die Zielsummen, die eingesammelt werden sollen, reichen von 100.000 Euro bis in den niedrigen siebenstelligen Bereich. „Je breiter bekannt das Crowdinvesting wird, desto mehr Kapital kommt zusammen. Das Potenzial ist hier sehr groß“, freut sich Daniel Horak.

6. Was passiert, wenn die Crowdfinanzierung nicht klappt?

„Falls die Zielsumme nicht erreicht wird, werden die Beträge verlustfrei an die Investoren rücküberführt. Die Gelder werden während des Fundings treuhändisch verwaltet“, so Reinhard Willfort. Was jedoch eher selten passiert, denn die Unternehmen durchlaufen vor dem Start der Kampagne einen mehrstufigen Selektionsprozess durch die Experten der Plattformen.

7. Welche Crowdfundig-Modelle gibt es?

Donation based Crowdfunding – Geld als Spende für einen guten Zweck. Es geht darum, Projekte aus der Kreativ-, Kultur- und Kunstszene mit Spendengeldern zu finanzieren. Hier beteiligen sich die Unterstützer mit sehr geringen Beträgen und erhalten keine Gegenleistung.

Reward based Crowdfunding – Geld für Anerkennung. Geldgeber erhalten eine materielle oder ideelle Anerkennung vom Projektumsetzer. Das kann bei einer Produktentwicklung beispielsweise die frühe Nutzungsmöglichkeit eines Produktes oder einer Dienstleistung sein. Es fließt aber kein Geld an die Unterstützer zurück.

Lending based Crowdfunding –  Geld für Zinsen. Dieses Segment deckt den Bereich der privaten Mikrokredite (Crowdlending) für Projekte ab. Der Unterstützer verleiht sein Geld über einen Plattformbetreiber oder direkt an ein Unternehmen. Innerhalb einer definierten Laufzeit wird der Betrag verzinst. Der Zinssatz wird auf Basis von Angebot und Nachfrage je Projekt unterschiedlich vereinbart. Sind diese Darlehen „nachrangig“ vereinbart, wird diese Form des Crowdfunding von der FMA akzeptiert. Nachrangigkeit bedeutet, dass ein Investor sein Geld nicht zurückverlangen kann, wenn das Unternehmen dadurch in Schwierigkeiten kommen könnte.

Equity based Crowdfunding – Geld für Beteiligung.  Crowdinvesting ist das nachgefragteste Instrument. Die Investoren wollen Erfolg und potenziell Geld verdienen. Die Kapitalgeber erwerben mit ihrem Investment meist Beteiligungen an Unternehmen, bei denen sie am jährlichen Gewinn und an der Unternehmenswertsteigerung profitieren. Diese Crowdfunding-Variante erfolgt in Österreich über Genussscheine.

8. Wie kann ich mein Crowdfunding-Projekt selbst unterstützen?

„Es ist essenziell, dass die Unternehmer mit anpacken. Es gibt keine Selbstläufer“, so Horak. Der Unternehmer sollte für die Investoren sichtbar und erreichbar sein, eine intensive und kontinuierliche Kommunikation mit der Crowd ist daher unerlässlich. Bei einschlägigen Veranstaltungen können Kontakte geknüpft und neue Investoren an Bord geholt werden. „Die Betreuung einer Crowdfunding-Kampagne ist sehr zeitaufwändig. Schon im Vorfeld der eigentlichen Kampagne muss ein entsprechend großer Unterstützerkreis aufgebaut werden. Dieser ist wichtig, damit das Projekt erfolgreich starten kann. Projekte die bereits kurz nach dem Start des Fundings eine hohe Unterstützerzahl aufweisen, sind in der Regel erfolgreicher als andere. Es ist wichtig, bereits in den ersten Tagen nach dem Start zumindest 25 – 30 Prozent der angestrebten Summe zu sammeln, um eine gewisse Dynamik zu bekommen“, so Reinhard Willfort.

9. Wer sind die Investoren?

Dazu Daniel Horak: „Der typische Crowdinvestor ist männlich (75%) und zwischen 20 Jahren und Ende 40 (80%). Er ist selbständig oder im mittleren Management tätig. Zwei Drittel investieren unter 500 Euro und 35% investieren in mehr als ein Projekt.“ Man kann die Investoren in drei Kreise einteilen: das persönliche Netzwerk, die Zielgruppe und die Öffentlichkeit. Die Crowd setzt sich zu jeweils einem Drittel aus diesen Gruppen zusammen.

10. Was regelt das Crowdfunding-Gesetz?

Einzelanlagebeschränkung: Pro Kopf pro Projekt können 5.000 Euro investiert werden. Im Folgejahr ist noch einmal eine Investition möglich. Wer mehr als 5.000 Euro in ein Projekt investieren will muss eine Erklärung abgeben, dass er mehr als 2.500 Euro netto verdient.

Infoblatt ab 100.000 Euro, Prospektpflicht ab 5 Millionen Euro: Diejenigen, die das Geld einsammeln, müssen erst ab einem Betrag von 100.000 Euro ein Informationsblatt veröffentlichen.

Ab 1,5 Millionen Euro besteht eine Prospektpflicht light.

Ab fünf Millionen gibt es dann eine volle Prospektpflicht. Ein Kapitalprospekt weist in der Regel die Kennzahlen für die Investoren im Detail aus.

11. Sind Crowdfunding-Plattformen für Start-ups und Investoren sicher?

Crowdinvesting-Plattformen dürfen nur mit Konzession der Finanzmarktaufsicht oder mit einer Gewerbeberechtigung für Vermögensberater, Unternehmensberater oder Wertpapierdienstleister betrieben werden. Die Plattformen werden in der Regel von der Finanzmarktaufsicht geprüft. Eine Lizenz oder ein Siegel gibt es allerdings nicht. Es ist daher ratsam den jeweiligen Status potenzieller Crowdfunding-Partner zu hinterfragen.

12. Welche Crowdfunding-Plattformen gibt es in Österreich?

www.1000×1000.at – spezialisiert auf Innovationsprojekte und Gründungsvorhaben

www.conda.at – spezialisiert auf Start-ups

www.greenrocket.at – spezialisiert auf Startups im Bereich Nachhaltigkeit

www.neurovation.net – spezialisiert auf die Kreativbranche und Prototypen

www.respekt.net  – spezialisiert auf Spenden für Zivilprojekte

www.fundraizer.at 

www.crowdcapital.at