©Raffael Stiborek

Raum für Ideen

von Herta Scheidinger

 

Entrepreneurship ist noch etwas älter als die Wirtschaftsuniversität selbst. Komisch, dass das Thema erst jetzt bei den Studierenden ankommt.

Das Institut für Entrepreneurship und Innovation und auch das Kompetenzzentrum für Social Entrepreneurship haben schon viele Initiativen gesetzt, in deren Umfeld erfolgreiche Start-ups wie die Flohmarkt-App „Shpock“ oder die Videoplattform „whatchado“ entstanden. Doch versteckte sich die Kompetenz in Sachen Unternehmensgründung bisher direkt an den Instituten, so hat man nun mit dem neu geschaffenen Gründerzentrum einen Schritt an die Studierenden heran gemacht.

Damit die Idee des Gründens als Karrieremöglichkeit für die Studenten ins Blickfeld rückt, wurde ein Open Space geschaffen, der allen Studierenden als Anlaufstelle offensteht. „Wir sind kein neuer Gründerservice, haben auch kein Budget, um Start-ups finanziell zu unterstützen, sondern wir wollen die ganzen Kräfte, die es an der WU gibt, bündeln und die Hemmschwelle zwischen Idee und Umsetzung senken“, erklärt Martin Schott, Programm-Manager des WU Gründungszentrums. Synergien sind erwünscht wie auch die Zusammenarbeit mit anderen Universitäten. Hier soll kein Hype bedient werden, es geht den Machern um erfolgreiche und beständige Unternehmensgründungen.

Inspiration und Know-how

Das WU Gründungszentrum steht unter der wissenschaftlichen Leitung von Nikolaus Franke, als Direktor fungiert Rudolf Dömötör. Vier fixe Mitarbeiter stehen den Studierenden als Ansprechpersonen zur Verfügung. Eine Community aus rund zehn Studierenden arbeitet freiwillig mit und hilft bei der Umsetzung der geplanten Veranstaltungen.

„Es war uns ganz wichtig, einen Raum mitten am Campus zu haben, der ebenerdig zugänglich ist und sehr offen wirkt. Wo man einfach reingeht und sich informieren kann“, so Martin Schott. Denn die Schwellenangst soll der Umsetzung der Projekte nicht im Wege stehen. „Man muss auch nicht gleich mit einer Idee kommen, man kann sich einfach einmal in das Thema reinfallen lassen und schauen, was auch immer daraus wird. Man kann sich inspirieren lassen“, so Schott. Gab es am Anfang noch viele fragende Gesichter vor den Türen des Open Space, so steigt das Interesse der Studenten an den Angeboten. „Es gibt sehr viel Nachfrage, wie man mitmachen kann, welche Veranstaltungen es gibt und wo man sich dafür anmeldet. Sehr viele wollen ihre Ideen präsentieren. Das lässt darauf hoffen, dass unser Raum hier sehr schnell zu klein wird für die ganzen Projekte“, ist Martin Schott zuversichtlich. Hat ein Student seine Idee schon fertig im Kopf und ist gründungswillig, lohnt sich ein Besuch im Gründerzentrum erst recht. Denn wirkliche Einzelkämpfer sind die wenigsten Gründer. Es gilt, neue Mitstreiter zu finden, oder Erfahrungen beim Pitchen der Idee zu sammeln und Feedback abzuholen. Das Programm des Gründungszentrums (unter: wu.ac.at/gruenden) umfasst Beratungs- und Feedback-Tage, Community-Tage, an denen die Vernetzung im Vordergrund steht. An den Start-up-Tagen präsentieren sich Gründer und Unternehmen den Interessierten zu speziellen Themen und Branchen. Erfolgreiche Gründer geben bei den Founder-Talks gerne Tipps an die jungen Kollegen weiter. In den Workshops helfen Experten den Gründungswilligen von der Entwicklung der Idee bis zur Finanzierung und Präsentation.

Spannendes Netzwerk

„Wir sind ja auch über das Entrepreneurship Center Network (ECN) und das Wissenstransferzentrum (WTZ) mit den anderen Unis verbunden und versuchen vor allem uni-übergreifende Projekte zu fördern. Es wird noch spannender, wenn die TU, die BOKU oder die Vetmed hineinkommen und so die technologischen Gebiete mit dem Business- und dem Innovationsgedanken an der WU vermischt werden“, so Schott. Die Themenvielfalt ist also sehr breit und die Teams bestehen aus Studierenden mit unterschiedlichen Kompetenzen. „Einer der Erfolgsfaktoren von Start-ups ist, dass das Team stimmen muss, weil man nicht alles selber machen kann. Wenn man ein Team hat, das alle Aufgaben gut abdeckt, dann ist der Erfolg viel wahrscheinlicher“, so Schott. Und die Qualität der Gründungen steigt.