Her mit der Marie!

von Herta Scheidinger

 

Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Frag den Staat. Der hilft mit Förderungen durch die schwierigen ersten Monate. Wenn der Businessplan passt. Damit der Traum vom eigenen Unternehmen nicht schnell wieder ausgeträumt ist, braucht es neben einer innovativen Idee auch ausreichend Kleingeld.

Der geplante Schritt in die Selbstständigkeit kann durch fehlende finanzielle Mittel erschwert oder gar unmöglich gemacht werden. Denn eine zündende Idee alleine nützt nichts, wenn das Geld zur Umsetzung fehlt. Um den Jungunternehmern hier unter die Arme zu greifen gibt es eine Reihe von Förderungen, mit deren Hilfe die Finanzierungshürde überwunden werden kann. Doch wie finde ich den Weg durch den Förderungsdschungel? Welches der vielen Programme für Gründer passt zu meinem Unternehmen und meinen Bedürfnissen? Und wo wende ich mich hin?

Die passende Förderung

„Förderungen können in einem einmaligen nicht rückzahlbaren Zuschuss, einem zinsenlosen Kredit oder in einer Art Bankgarantie erfolgen. In Abhängigkeit vom Unternehmensgegenstand und Investitionsvorhaben gilt es die richtige Förderung zu finden. Oftmals ist es eine Kombination von mehreren Förderungen, die von der Gemeinde, Land, Bund oder EU-Institutionen vergeben werden“, klärt Walter Glösl von der Steuerberatungskanzlei Auditax auf. „Tendenziell werden Investitionen in Sachanlagen besser gefördert als in immaterielle Wirtschaftsgüter. Förderungen gibt es auch für die Anschaffung von Betriebsmittel“. Wer eine Förderung beantragen möchte, sollte sich im Vorfeld ausreichend über die gebotenen Möglichkeiten informieren. Dafür gibt es einige Anlaufstellen. „Ein individueller Beratungstermin ist sehr wichtig, denn die Förderlandschaft ist sehr groß und wirkt auf den ersten Blick vielleicht unübersichtlich“, so Roland Gehbauer, Leiter des Gründercenters der Erste Bank. „Grundsätzlich begleiten wir Gründer durch die Vorbereitung und durch die ersten Unternehmerjahre. Im Durchschnitt treffen wir täglich zwei positive Finanzierungsentscheidungen“, so Roland Gehbauer weiter.

Gute Planung

Das Um und Auf bei einer Unternehmensgründung ist ein Businessplan, mit dessen Hilfe die erforderliche Finanzierung geplant und abgestimmt werden kann. „Der Businessplan fasst die gesamte Geschäftsidee des Unternehmens schriftlich zusammen, er beinhaltet unterschiedliche Pläne beispielsweise für den Vertrieb, das Marketing, die Beschaffung oder Produktion. Ganz wichtig ist der Finanzplan. Der Businessplan sollte einen Ausblick auf die ersten fünf Jahre haben und wenn er regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht wird, kann er viele Jahre lang hilfreich sein“, sagt der Leiter des Gründercenters der Erste Bank . Am Anfang ist es wichtig zu wissen, wieviel Eigenkapital zur Verfügung steht, denn: „Ohne Eigenkapital ist es in der jetzigen Wirtschaftslage schwierig eine Finanzierung zu erhalten. Hat das Unternehmen bereits Erfolge verzeichnet und sind Aufträge und Einnahmen bereits absehbar, kann es trotzdem gelingen“, so der Experte von Auditax. Der Richtwert für die Höhe des Eigenkapitals liegt um 25 bis 35 Prozent, Abweichungen nach oben und unten sind freilich projektabhängig möglich.

Förderungen sind – von wenigen Ausnahmen abgesehen – keine Kredite, sondern z.B. Zuschüsse oder Haftungen. Der Kredit kommt von der Bank und wird durch die Förderung eventuell ermöglicht oder begünstigt. Es spielt beides zusammen und kommt ganz auf das Projekt an. „Förderbare Projektkosten werden, abhängig von der Förderung, aus der Planrechnung im Businessplan abgeschätzt und die Investitionen sind, nach Inanspruchnahme der Förderung, nachzuweisen“, so Roland Gehbauer. Bei der Einreichung eines Förderungsansuchens werden diverse Unterlagen gefordert, die vollständig zusammengestellt sein müssen. Dazu gehört die Gewerbeberechtigung, der Nachweis der bisherigen unselbstständigen Tätigkeit, die Abmeldung von der Gebietskrankenkasse und bei Gesellschaften der Gesellschaftsvertrag.

Zuschussförderungen gibt es für Investitionen, Forschung und Entwicklung. Die Höhe des Zuschusses wird in den Förderrichtlinien festgelegt und entspricht einem bestimmten Prozentsatz der anfallenden Kosten. Diese Barzuschüsse müssen in der Regel nicht zurückgezahlt werden. Da viele Zuschussförderungen erst nach Fertigstellung des Projektes fließen, müssen die Projektkosten zwischenfinanziert werden. Bei einigen Zuschussförderungen ist eine Akontozahlung abhängig vom Projektfortschritt möglich.

Geförderte Kredite werden über die Banken zu begünstigten Konditionen wie niedriger Zinssatz, niedrige Kosten der Kreditabwicklung und eine unbürokratische Antragstellung vergeben. Dafür verlangt die Bank jedoch Sicherheiten vom Jungunternehmer. „An oberster Stelle der Sicherheiten steht Barvermögen. Eine Liegenschaft hat ebenso einen hohen Stellenwert, wie auch anderes leicht liquidierbares Vermögen“ so Walter Glösl. Geförderte Kredite werden für Innovationsprojekte, Modernisierung und Erweiterung, F&E-Projekte und Internationalisierungsmaßnahmen durch Bundes- und Landesförderstellen angeboten.

Garantien und Haftungen werden sowohl von der Republik Österreich und als auch von Landesgesellschaften angeboten, wenn die vorhandenen Sicherheiten für einen Bankkredit nicht ausreichen. Dem finanzierenden Institut kann so eine erstklassige Sicherheit angeboten werden. Das Risiko der Bank wird minimiert und es sind bessere Kreditkonditionen möglich. Garantien und Haftungen sind sowohl für Investitionsprojekte als auch für den Betriebsmittelkauf oder die Unternehmenssicherung möglich. Unterschiede gibt es bei der Laufzeit, der Haftungsquote und bei der zu behaftenden Kredithöhe. Die Kosten für die Übernahme einer Garantie oder Haftung sind risikoabhängig.

Beteiligungen an Unternehmen in der Gründungsphase versorgen diese mit Eigenkapital. Risikoreiche Innovationsprojekte die sonst nicht umsetzbar wären, werden durch Beteiligungen von Bundes- oder Landesstellen möglich. Auch eine Expansion kann so finanziert werden.Auf diese Art wird Risikokapital zur Verfügung gestellt. Beteiligungen können entweder offen oder still ausgestaltet werden. Die Beteiligungskonditionen sind marktüblich.

Geförderte Beratungsleistungen vermitteln dem Unternehmerdas spezifische Know-how, das er für unternehmerischen Entscheidungen und Planungen braucht. Gefragte Beratungsthemen betreffen den Businessplan, die Strategie, die Finanzplanung, das Marketing und das Innovationsmanagement. Die Kosten für die Beratung durch einen adäquaten Experten werden zum Teil von den Förderstellen übernommen.

Der Weg zur Förderung:

  • Der Förderwerber hat die Idee zum Investitionsvorhaben.
  • Eigene Kostenschätzung vom Förderwerber
  • Angebote für das Vorhaben einholen
  • Projekt skizzieren aufgrund der eingeholten Angebote
  • Beratungsgespräche bei der WKO für mögliche Förderungen
  • Ist das Projekt größer als eine Million Euro, macht es Sinn direkt mit den Fördergebern zu sprechen
  • Kontakt zur Gemeinde bzw. zu Landesförderstellen suchen
  • Bankgespräch wenn: die Finanzierung über Fremdkapital laufen soll (Darlehen, Kredite, Rahmen, etc.)                         oder Sicherheiten bei Fremdkapitalfinanzierung fehlen (Haftungen/Bürgschaften)
  • Förderantrag kann gleich über die Bank gestellt werden
  • Förderanbot ergeht von der Förderstelle, der Förderwerber nimmt das Anbot durch Unterzeichnung an

Bei Zuschuss:

  • Auf Eingangsstempel des Fördergebers auf dem Antragsformular warten
  • Rechnungen nach den Investitionen sammeln
  • Rechnungen bei den Fördergebern über die Bank zur Abrechnung einreichen
  • Wenn reine Eigenkapitalfinanzierung gegeben ist, kann der Förderwerber die Abrechnung auch selbst mittels Abrechnungsformular von der Förderstelle durchführen.

Bei Krediten:

  • Nach Antragsstellung auf ok des Fördergebers warten
  • Zwischenfinanzierung erfolgt von der Bank, aus diesem Grund muss die Bank mit im Boot sein.
  • Nach der Investition die erhaltenen Rechnungen sammeln und bei der Bank einreichen, Kreditvolumen wird aufgrund der eingereichten Rechnungen abgerechnet.

Bei Haftung/Bürgschaften:

  • Nach Antragsstellung auf ok des Fördergebers warten, denn nur nur dann wird die Bank bereit sein der Fremdkapitalfinanzierung zu zustimmen.
  • Nach der Investition die erhaltenen Rechnungen sammeln und bei der Bank zur Abrechnung mit der Förderstelle einreichen.

Den Anerkennungsstichtag unbedingt beachten! Anerkannt können nur Kosten werden, die ab dem Zeitpunkt des Einlangens des Förderansuchens entstehen.

Fördergeber im Überblick:

Bundesförderstellen  

Austria Wirtschaftsservice Gesellschaft mbH (AWS) – Vergabe von zinsgünstigen Krediten, Zuschüssen und Garantien. Für alle Unternehmen, ausgenommen Tourismus und Freizeitwirtschaft.

Österreichische Hotel- und Tourismusbank Gesellschaft m.b.H. (ÖHT) – Vergibt Zuschüsse und Kredite und übernimmt Haftungen gegenüber Kreditinstituten. Für Unternehmen des Tourismus und der Freizeitwirtschaft.

Kommunalkredit Public Consulting GmbH (KPC) – Fördert Maßnahmen, die zu einer Verringerung der Umweltbelastung führen – meist in Form von Zuschüssen. Schwerpunkte sind Energiesparen, Energieversorgung und Mobilität.

Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG) – Fördert die unternehmensnahe Forschung und Entwicklung.

Arbeitsmarktservice Österreich (AMS) – Bietet Förderungen vor allem für die Aufnahme von Mitarbeitern und für die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern an.

Landesförderstellen  

Alle Bundesländer bieten in Ergänzung zu den Bundesförderstellen Förderungen an. In der Regel ist eine eigene Antragstellung erforderlich, um eine Landesförderung zu erhalten.

Gemeinden

Manche Gemeinden gewährten Zuschüsse für Investitionsvorhaben, es sind aber auch Förderungen in Form von befristeten Steuererleichterungen möglich, etwa bei der Kommunalsteuer.

 EU-Förderungen

Eine direkte Beantragung bei den Institutionen der EU ist nur in wenigen Fällen möglich. Förderungen aus den Mitteln der EU werden in der Regel mit den nationalen Förderungen mit ausgeschüttet. Der wichtigste Anwendungsbereich dabei ist Forschung und Entwicklung.

Sonstige Förderstellen

Über die Wirtschaftskammern gibt es die Internationalisierungsoffensive „Go-international“ des Wirtschaftsministeriums.

Vom Sozialministerium gibt es Förderungen bei einer Unternehmensgründung durch Menschen mit Behinderung, aber auch für die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung und für den behindertengerechten Umbau von Betriebsgebäuden.