Schaut mal, eigentlich geht es uns beschissen

 
Wir sind die Generation danach. Die Ypsiloner, die Krisenkinder. Wir finden in Euren Unternehmen keine Jobs mehr, obwohl wir hundertmal besser ausgebildet sind, als Ihr es in unserem Alter wart. Aber das macht nichts, deshalb bauen wir unsere eigenen. Bald dürft Ihr Praktika bei uns machen.
 
Warum das so kommen wird, erkläre ich Euch gerne.
Obwohl wir dank der Studiengebühren, der exorbitanten Mieten in den Großstädten und den SVA-Vorauszahlungsmechanismen einen zentnerschweren Rucksack mit uns herumschleppen und schon 10k Schulden haben, bevor wir den ersten Umsatz machen, werdet Ihr keine Chance haben. Es liegt nicht an Euch. Es ist nichts Persönliches. Aber Euer System ist faulig, verludert, verdorben. Damit wird bald Schluss sein.
 
Eure Gier kotzt uns an. Ihr habt keine Argumente mehr. 
Werft mal einen Blick auf die Zahlen. In etwas mehr als zwei Jahren sind wir in der Mehrheit. Über 50 Prozent Eurer Mitarbeiter gehört dann zu unserer Generation. 2030 sind es dann drei von vier. Und wir sind mit einem anderen Bewusstsein aufgewachsen. Wir schlucken nicht mehr alles für die Aussicht auf ein Gehalt, von dem ihr uns wieder die Hälfte wegnehmt. Wir sind heute schon die einflussreichsten Konsumenten. Wir geben den Takt und den Stil vor.
 
Jedes Jahr wächst unser Einfluss. Eurer schwindet. 
Wir haben Werte. Wir wissen, dass Sklaven in Bangladesch unsere Klamotten nähen, der Frühstückslachs mit Schimmel und Floheiern verseucht ist und dass unser Kornspitz eine braunangemalte Semmel ist. Eure Werbung wirkt nicht mehr. Wir schauen nicht mehr weg. Es sind unsere Leute, die Fleisch im Reagenzglas züchten, die Ozeane von Eurem Plastikmüll befreien, elektrische Autos und Häuser bauen, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Wir brauchen den ganzen Mist nicht mehr, der Euch heilig ist. Keine Bentleys, keine goldenen Wasserhähne, keine Krokodilhandtaschen. 
 
Wir brauchen das Internet, 15 Quadratmeter Wohnfläche, eine Thermokanne Kaffee und eine warme Mahlzeit pro Tag um Euch alles streitig zu machen, worüber Ihr Euren Status definiert.
 
Wir sorgen dafür, dass Eure Symbole den Glanz verlieren und das wird wie von selbst passieren. Denn sie machen den Planeten kaputt. Sie entziehen uns die Energie. Und da wollen wir nicht mitmachen. Warum habt Ihr davor eigentlich die Augen verschlossen?
Weggesehen? Welche Errungenschaften werden über Euch in den Geschichtsbüchern stehen? Dass ihr die Meere verseucht, Tiere und Menschen zu Millionen getötet, die Schere zwischen arm und reich so weit aufgerissen habt, als dass 62 Menschen so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, absurden Reichtum auf dem Rücken Eurer Kinder und Kindeskinder angehäuft habt. Ein System künstlich am Leben gehalten habt, dass seine eigene Grundlage, den verdammten Planeten, auf dem wir leben, zerstört. 
 
Wir sind vernetzt, wir tauschen uns aus, wir helfen uns gegenseitig.
Wir haben erkannt, dass es für uns nur gut ausgehen wird, wenn wir unsere Ideen mit allen anderen teilen. Wir haben die Ellenbogen eingefahren. Eure Konkurrenz untereinander, Eure Kriege, Eure Gier interessieren uns nicht. Wir wollen mit Eurer Welt nichts mehr zu tun haben. Doch, eigentlich schon. Googelt mal, was „Disruption“ bedeutet.
 
Wir werden uns Eure Branchen vornehmen. Eine nach der anderen.
 
Sie Stück für Stück auseinandernehmen. Das wird unser Beitrag zur Rettung des Planeten sein. Wir Krisenkinder drehen Euch das Wachstum ab. Wir wachsen nach innen. In Eure Branchen rein, bis Ihr sie nicht mehr erkennen werdet. Wir sorgen dafür, dass Euch niemand mehr braucht. Und das wird schnell, effektiv und irreversibel passieren.
Ihr haltet uns für hochnäsig, narzisstisch, unpolitisch. Das liegt nur daran, dass wir nicht mehr dieselbe Sprache sprechen, nicht dieselbe Politik machen, nicht dasselbe Leben leben. Aber wir sind hungrig. Wir ziehen jetzt unser Ding durch. Das sollte Euch Angst machen.