Schaut mal, eigentlich geht es uns beschissen

 
Wir sind die Generation danach. Die Ypsiloner, die Krisenkinder. Wir finden in Euren Unternehmen keine Jobs mehr, obwohl wir hundertmal besser ausgebildet sind, als Ihr es in unserem Alter wart. Aber das macht nichts, deshalb bauen wir unsere eigenen. Bald dürft Ihr Praktika bei uns machen.
 
Warum das so kommen wird, erkläre ich Euch gerne.
Obwohl wir dank der Studiengebühren, der exorbitanten Mieten in den Großstädten und den SVA-Vorauszahlungsmechanismen einen zentnerschweren Rucksack mit uns herumschleppen und schon 10k Schulden haben, bevor wir den ersten Umsatz machen, werdet Ihr keine Chance haben. Es liegt nicht an Euch. Es ist nichts Persönliches. Aber Euer System ist faulig, verludert, verdorben. Damit wird bald Schluss sein.
 
Eure Gier kotzt uns an. Ihr habt keine Argumente mehr. 
Werft mal einen Blick auf die Zahlen. In etwas mehr als zwei Jahren sind wir in der Mehrheit. Über 50 Prozent Eurer Mitarbeiter gehört dann zu unserer Generation. 2030 sind es dann drei von vier. Und wir sind mit einem anderen Bewusstsein aufgewachsen. Wir schlucken nicht mehr alles für die Aussicht auf ein Gehalt, von dem ihr uns wieder die Hälfte wegnehmt. Wir sind heute schon die einflussreichsten Konsumenten. Wir geben den Takt und den Stil vor.
 
Jedes Jahr wächst unser Einfluss. Eurer schwindet. 
Wir haben Werte. Wir wissen, dass Sklaven in Bangladesch unsere Klamotten nähen, der Frühstückslachs mit Schimmel und Floheiern verseucht ist und dass unser Kornspitz eine braunangemalte Semmel ist. Eure Werbung wirkt nicht mehr. Wir schauen nicht mehr weg. Es sind unsere Leute, die Fleisch im Reagenzglas züchten, die Ozeane von Eurem Plastikmüll befreien, elektrische Autos und Häuser bauen, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Wir brauchen den ganzen Mist nicht mehr, der Euch heilig ist. Keine Bentleys, keine goldenen Wasserhähne, keine Krokodilhandtaschen. 
 
Wir brauchen das Internet, 15 Quadratmeter Wohnfläche, eine Thermokanne Kaffee und eine warme Mahlzeit pro Tag um Euch alles streitig zu machen, worüber Ihr Euren Status definiert.
 
Wir sorgen dafür, dass Eure Symbole den Glanz verlieren und das wird wie von selbst passieren. Denn sie machen den Planeten kaputt. Sie entziehen uns die Energie. Und da wollen wir nicht mitmachen. Warum habt Ihr davor eigentlich die Augen verschlossen?
Weggesehen? Welche Errungenschaften werden über Euch in den Geschichtsbüchern stehen? Dass ihr die Meere verseucht, Tiere und Menschen zu Millionen getötet, die Schere zwischen arm und reich so weit aufgerissen habt, als dass 62 Menschen so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, absurden Reichtum auf dem Rücken Eurer Kinder und Kindeskinder angehäuft habt. Ein System künstlich am Leben gehalten habt, dass seine eigene Grundlage, den verdammten Planeten, auf dem wir leben, zerstört. 
 
Wir sind vernetzt, wir tauschen uns aus, wir helfen uns gegenseitig.
Wir haben erkannt, dass es für uns nur gut ausgehen wird, wenn wir unsere Ideen mit allen anderen teilen. Wir haben die Ellenbogen eingefahren. Eure Konkurrenz untereinander, Eure Kriege, Eure Gier interessieren uns nicht. Wir wollen mit Eurer Welt nichts mehr zu tun haben. Doch, eigentlich schon. Googelt mal, was „Disruption“ bedeutet.
 
Wir werden uns Eure Branchen vornehmen. Eine nach der anderen.
 
Sie Stück für Stück auseinandernehmen. Das wird unser Beitrag zur Rettung des Planeten sein. Wir Krisenkinder drehen Euch das Wachstum ab. Wir wachsen nach innen. In Eure Branchen rein, bis Ihr sie nicht mehr erkennen werdet. Wir sorgen dafür, dass Euch niemand mehr braucht. Und das wird schnell, effektiv und irreversibel passieren.
Ihr haltet uns für hochnäsig, narzisstisch, unpolitisch. Das liegt nur daran, dass wir nicht mehr dieselbe Sprache sprechen, nicht dieselbe Politik machen, nicht dasselbe Leben leben. Aber wir sind hungrig. Wir ziehen jetzt unser Ding durch. Das sollte Euch Angst machen.

Start-up Blogs

von Lilli Koisser

 

Blogs sind ein kostengünstiges Marketing-Tool und werden besonders gerne von Start-ups genutzt. Diese 15 österreichischen Start-ups machen es richtig!
 
 
Blogs sind ein effizientes Tool, um deine Marke zum Leben zu erwecken, deine Reichweite kostengünstig zu steigern und dein Produkt geschickt zu bewerben. Start-ups stehen, besonders am Anfang, vor folgender Herausforderung: Wie finden wir Personen, die sich für unser Angebot interessieren und wie können wir diese möglichst budgetschonend ansprechen? Ein eigener Unternehmensblog bietet dir eine Bühne für deine Botschaften. Er lässt dich zu relevanten Themen und Keywords in den Suchmaschinen ranken, liefert laufend Content für deine Newsletter und sozialen Netzwerke und positioniert dich außerdem als glaubwürdigen Experten auf deinem Gebiet. Gerade Apps, Online-Shops und andere Startups, die online
beheimatet sind, starten deswegen häufig einen eigenen Blog. Wie es richtig gemacht wird, zeigen dir diese 15 erfolgreichen Start-ups aus Österreich:
 

15 österreichische Start-ups, die erfolgreich bloggen

 
1. Codeship
Die Software-Entwickler von Codeship bloggen mehrmals wöchentlich über Anleitungen, Produktvorstellungen und Kundenanwendungen ihrer Software für Programmierer und Start-ups.
blog.codeship.com
 
2. durchblicker.at
Der Blog des Vergleichsportals durchblicker.at bietet laufend neue Artikel zu den vier großen Themenbereichen
Versicherung, Energie, Mobilfunk und Finanzen.
durchblicker.at/artikel
 
3. everbill
Im everbill magazin, dem Online-Magazin für KMU, Start-ups und Selbständige, findest du Beiträge rund um Gründung, Recht, Organisation und Finanzen des praktischen Online-Buchhalters.
everbill.com
 
4. FromAustria.com
Der Online-Shop für österreichische Produkte bloggt alle paar Tage über saisonale und regionale Themen in Österreich, aber auch Kategorien wie„Leiwand“, „Das passiert“ und „Zu Besuch“.
fromaustria.com/blog
 
5. Kiweno
Im gut gewarteten Blog des Gesundheits-Start-ups des Jahres 2015 liest du bunte Rezepte, Tipps & Tricks und vielseitige Berichte zum Thema Nahrungsunverträglichkeiten.
blog.kiweno.com
 
6. LINKILIKE
Im Blog von LINKILIKE, dem Tool für Social Seeding und Influencing, wird seit zwei Jahren konsequent über Content Marketing, Social Media und die Blogger-Landschaft berichtet.
blog.linkilike.com
 
7. Mjam
Klar: Im Blog der App Mjam geht es um Essen. Das Thema wird breit über Food Trends, Events, Facts, Hacks, Rezepte und viele weitere Kategorien gefächert und mit appetitlichenBildern veranschaulicht!
blog.mjam.net
 
8. mySugr
Der Blog der Diabetes-App heißt passend „Diabetes Life“ und ist ein gelungener Mix aus Wissen rund um Diabetes, Tipps für die Nutzung der App und Einblicken in das Unternehmen.
mysugr.com/de/diabetes-life
 
9. Runtastic
Auch wenn Runtastic schon lange kein Start-up mehr ist, kann man sich von ihrem Blog trotzdem einiges abschauen: Fast täglich werden tolle Artikel rund um Laufen, Fitness und Ernährung veröffentlicht.
runtastic.com/blog
 
10. TaskTillDone
Die App TaskTillDone verbindet Unternehmen mit passenden Freelancern. In ihrem Blog schreiben sie in den Kategorien News, Start-ups, Freelancers und Tasks über das Thema Outsourcing.
blog.tasktilldone.com
 
11. Tractive
Tractive, das GPS-System für Haustiere, bloggt 1bis 2 Mal pro Woche über alles, was mit Hunden und anderen Haustieren zu tun hat: von Krankheiten über Umzug bis hin zu Schlechtwetter-Tipps.
tractive.com/blog
 
12. treats
treats. sind gesunde und nachhaltige Snacks, die dir in Boxen direkt nach Hause geschickt werden. Im hübschen Blog des Unternehmens geht es vorwiegend um Ernährung und Lifestyle.
treats.io.blog
 
13. Tripwolf
Auf dem Blog von Tripwolf haben sich seit 2008 mittlerweile über 900 Berichte zu Reisen in nahe und ferne Länder, Travel Hacks, Tipps & Tricks und die App selbst angesammelt.
blog.tripwolf.com
 
14. whatchado
whatchado bloggt seit 2011 die whatchaNEWS zum Unternehmen, Nachberichte zu Events, Einblicke in verschiedene Jobs und unterhaltsame Artikel rund um Beruf und Berufung.
whatchado.com/blog
 
15. Zoomsquare
Alles rund um Umziehen, Einrichten und Wohnen findet man auf dem Blog von Zoomsquare, der erfolgreichen Immobiliensuchmaschine aus Österreich.
blog.zoomsquare.com
 

Welche Blogs von österreichischen Start-ups kannst du sonst noch empfehlen? Hinterlasse gerne unten einen Kommentar!

 
 
 

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von Bastian Kellhofer

 

Vor einigen Jahren beschwerten wir uns furchtbar, dass es mehrere Tage gedauert hat bis ein Brief endlich angekommen ist. Dann motzten wir darüber, dass eine E-Mail ein paar Stunden gebraucht hat, um beim Empfänger anzukommen. Und heute? Heute haben unsere E-Mails alles: Anhänge, cc und bcc. Doch ein Problem ist neu: Der Aufwand übersteigt den Nutzen. Das Wiener Start-up Grape rollt jetzt den Markt von hinten auf.

Als die erste elektronische Post über den Atlantik schwappte, ahnte niemand von den Vorzügen, die diese Kommunikationsformen in den kommenden Jahrzehnten für Privatleute und Unternehmen bringen würden. Dateien, Bilder, Dokumente — alles konnte an die Nachricht angehängt und um den Globus versandt werden. Im Gegensatz zur Konkurrenz aus Papier kann eine E-Mail an mehrere Empfänger gesendet werden und das in Sekundenschnelle, egal, wo sich der Adressat aufhält.

20 Stunden Postversand

20 E-Mails verschickt rein durchschnittlich jeder Mensch am Tag. 20. Jeder. Vom Kind, das in der gambischen Steppe zu Hause ist, bis zum Greis im vorderasiatischen Hochgebirge. Runtergerechnet auf die 2,8 Milliarden Menschen, die auch wirklich regelmäßigen Zugang zum Internet haben, sind es schon 52 Nachrichten pro Tag.

145 Milliarden elektronische Nachrichten drängen täglich durch die transatlantischen Kabel in die Posteingänge, Spam- und Junk-Ordner. Sie hat die Kultur mitgeprägt, Kürzel wie ASAP, FYI und CU hervorgebracht und viel von unserer Zeit vergeudet. Denn Angestellte in den Bürowelten westlicher Ausprägung sind laut Studien 20 Stunden pro Woche mit dem Lesen, Verschieben, Durchforsten und Löschen von E-Mails beschäftigt. Zur Erinnerung: 38 Stunden hat die Arbeitswoche.  E-Mails fressen mehr als die Hälfte der Arbeitszeit. Die E-Mail wird missbraucht: um Verantwortung zu delegieren, in Kenntnis zu setzen, zu ermahnen, zu loben.

Wer passt auf die Daten auf?

Thomas Jackson, ein Wissenschaftler an der britischen Universität in Loughborough, hat sich die Auswirkungen der E-Mail-Flutwelle auf das Arbeitsleben genau angesehen. Menschen brauchen über eine Minute, um sich nach dem Lesen einer E-Mail wieder zu berappeln und den Weg in die konzentrierte Arbeit zurückzufinden. Wenn nicht noch Ausflüge auf Facebook, Twitter oder andere Ablenkungsmaschinen dazwischenkommen. Ein anderes weitreichendes Problem ist die Sicherheit: Edward Snowden hat schmerzhaft aufgezeigt, wie fragil das elektronische Post-System gegenüber Organisationen ist, die im Schatten arbeiten, aber zu gerne mitlesen. Das ist ärgerlich und einschüchternd auf privater Ebene, im Business entscheidet Informationsvorsprung aber über Existenz und Erfolg. Eine Studie von SilverSky hat ermittelt, dass gerade einmal 21 Prozent der Unternehmen ihre Kommunikation durch Verschlüsselung schützen. Zu naiv, zu selbstsicher ist der Rest. Die Studienteilnehmer stammten allesamt aus den USA, wo die Sensibilität für dieses Thema deutlich höher ist. Auf Österreich umgemünzt, lässt die Studie Erschreckendes erahnen.

Während das Volumen global zunimmt, sinkt die Anzahl der relevanten Mails, also jener, die kein Spam, keine Werbung oder keine Betrugsversuche beinhalten, seit2008 kontinuierlich. Die E-Mail hatte ihre Daseinsberechtigung, keine Frage. Vor allem in der Kommunikation nach außen. Denn Unternehmen, die Kunden akquirieren wollen, brauchen ein systemübergreifendes Kommunikationsmittel. Und da ist die E-Mail unschlagbar. Allerdings gibt es Bereiche, in denen sie ihre Legitimation verloren hat. Vor allem in der internen Kommunikation, die schätzungsweise 70 Prozent des elektronischen Datenaustausches in einem Unternehmen ausmacht. Und da setzen Start-ups an, um diese Lücke sinnvoller und vor allem effektiverzu füllen. Der Run um die Vorherrschaftbei der internen Unternehmenskommunikationsform entstand durch Facebook und Twitter, die die private Konversation revolutionierten. Kleine Chat-Fenster, die nebenher mitlaufen, einfache Bedienbarkeit, schnelle Abwicklung, daran sind alle Project-Management-Tools der letzten Jahre zu erkennen. Das Unmittelbare, Schnelle, Direkte stand bei den Entwicklungen der Start-ups immer im Mittelpunkt.

Grape läuft US-Konzern den Rang ab

Wobei Basecamp gar nicht mehr so frisch auf dem Markt ist. Die webbasierte Projekt-Management-Lösung wurde bereits 2004 gegründet und wird weltweit von fast 300.000Unternehmen genutzt. Bei Basecamp lassen sich Projekte anlegen, Dokumente einbetten und Diskussionsrunden starten. Aufgaben werden zugeteilt und nach Beendigung abgehakt. Der Service kostet ein paar Euro, wenn das Unternehmen nicht 20 Mitarbeiter übersteigt. Danach steigen die Gebühren, je nachdem, wie viele Mitarbeiter sich an den Prozessen beteiligen. Und viele sind beim Platzhirsch Basecamp glücklich geworden. Aber es gibt noch dutzende Alternativen. Asana, Bitrix24, ChatGrape, Trello, Yammer und Smartsheet sind nur ein paar von mehreren Dutzend Working-Plattformen, die mit ihren Angeboten nicht nur die interne Mail überflüssig machen. Trello funktioniert wie eine Art digitaler Stundenplan. Mitarbeiter können zu verschiedenen Modulen eingeladen werden, der große Vorteil von Trello ist die Übersichtlichkeit. Allerdings ist die Chat- Lösung nicht perfekt. Yammer hat da deutliche Vorteile. In kleinen Chat-Gruppen, die Themen zugeteilt werden, kann man sich über die Entwicklung einzelner Geschäftsfelder unterhalten. Das Konzept gefiel Microsoft so gut, dass der ehemalige Marktführer 2012 zuschlug und sich sowohl Start-up als auch das komplette Entwicklerteam leistete.

Das Wiener Start-up Grape hat sich etwas ganz Neues einfallen lassen und rückt mit dieser Erfindung den großen US-Firmen nahe. Felix Häusler und Leo Fasbender, die Chefs von Grape, haben ein Programm entwickelt, mit dem sie es ermöglichen, externe Daten in die Chats einfließen zu lassen. Und zwar automatisch. „Im Unterschied zu Konkurrenzprodukten, bei denen etwa mittels selbstgeschriebenen Programmierbefehlen ebenfalls Kalendereinträge oder To-do-Listen aus Nachrichten generiert werden können, nimmt Grape die natürliche Sprache als Ausgangspunkt. So könnenauch nicht techaffine Nutzer problemlos damit umgehen“, sagt Co-Founder Leo Fasbender. Die AFI erkennt die Sprech-oder Schreibweise der Nachricht, sie ordnet sie entsprechenden Funktionen zu. Wenn eine Nachricht impliziert, dass dafür Zeit nötig ist, gleicht sie automatisch den Kalender des Rezipienten ab und meldet eine Überschneidung. Oder wenn die Nachricht sich auf eine bestimmte Aufgabenstellung bezieht, dann verknüpft das Programm die Anfrage in der Sekundevia eines „Aktion-Buttons“. Das klingt jetzt kompliziert. Erleichtert aber alles: Bislang zielte Grape vor allem auf die Tekkies in kleinen Unternehmen ab, mittlerweile peilen sie aber auch technisch weniger versierte Kunden an. Grape wächst zu einem integralen Werkzeug heran, das zahlreiche andere Programm in sich vereint. Dieses Feature entstand in Zusammenarbeit mitder Österreichischen Gesellschaft für künstliche Intelligenz (ÖFAI) und der FFG
(Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft). Von dieser Entwicklung ist die US-Konkurrenz noch weit entfernt. Und wo
 will Grape in Zukunft hin? CEO Felix Häusler „Wir machen vor allem viele Abschlüsse
in Europa, und mit durchschnittlich größeren Firmen, da wir seit Dezember eine
stärkere regionale Enterprise-Strategie
 fahren. Diese Abschlüsse dauern zwar teilweise über 
drei Monate, bringen 
aber mehr Umsatz. Wenn unser Plan aufgeht haben wir 2019 20% des Marktes, aber 80% des Umsatzes.“

Das wird die Arbeitswelt wieder deutlich erleichtern, uns ein bisschen von unserer Zeit zurückgeben, und die „Social Intranets“ bringen einen alles entscheidenden Vorteil mit sich. Wir müssen uns nicht mehr über passende Grußformeln den Kopf zerbrechen.

Christian Baha im Seeds-Interview

Interview: Stephan Scoppetta

 

Christian Baha, der Gründer von Superfund und TeleTrader, über Geld als Motor, den Standort Österreich und gefährlichen Übermut.

Sie stammen aus einfachen Verhältnissen. Sie starteten als Polizist ins Berufsleben und haben Anfang der 90er Jahre mit „TeleTrader“ das erste Unternehmen gestartet. Was hat Sie da angetrieben?

Polizist bin ich geworden, weil ich zu oft „Miami Vice“ gesehen habe. Später habe ich den Film „Wall Street“ gesehen und war sofort von der Idee fasziniert, Broker zu werden. Anfangs habe ich bei einer österreichischen Broker-Firma ohne Gehalt mitgearbeitet, weil ich das Geschäft lernen wollte. Als Polizist hatte ich mein monatliches Fixggehalt und damit auch die entsprechende Sicherheit. Ich habe bald erkannt, dass ich als Polizist nicht so talentiert war und dass mir das Finanzbusiness viel mehr liegt und Spaß macht.

Sie starteten aber nicht als Broker, sondern als Datenhändler.

1992 habe ich die Brokerfirma, bei der ich anfangs mitgearbeitet habe, um 50.000 ATS übernommen da der Gründer wieder zurück zur Uni wollte, um zu studieren. Zuerst habe ich aus der Not eine Tugend gemacht: Um die laufenden Datengebühren bei Reuters für die Brokerfirma zu sparen, habe ich nach einer Lösung gesucht, die von ORF Teletext die Börsenkurse in den Computer einliest. Ich suchte den gesamten Wiener Börsemarkt nach Software-Tüftlern ab und fand Christian Halper, der sich selbst so ein Programm geschrieben hatte, um die Teletext-Daten abzuspeichern und auszuwerten. Christian Halper, mein späterer Partner bei Superfund, wollte mir anfangs die Software gar nicht verkaufen, aber ich habe ihn dann doch überredet, mit mir ein Geschäft daraus zu machen. Ich investierte ein Monatsgehalt plus ein paar Überstunden, um an das Programm zu kommen. Letztendlich haben wir bis 1995 über 800 TeleChart-Programme für die Kursdatenversorgung aus dem Teletext mit Chartanalyse an österreichische Privatanleger und Banken verkauft und damit die erste Million noch in Schilling verdient.

Haben Sie sich erwartet, dass Telechart und später TeleTrader so gut aufgehen werden?

Rückblickend sind fast alle meine Start-ups vom ersten Tag an gut angelaufen. Ich habe das Geld sofort wieder in neue Entwicklungen wie das Real-Time Börsensystem TeleTrader investiert. Heute würde man sagen, wir hatten ein „Disruptive-Business- Model“, ohne es wirklich gewusst zu haben. Wir tauchten mit TeleTrader ab 1994 völlig unerwartet in einer Nische auf und haben mit unserer neuen und innovativeren High- End-Charting-Technologie im Windows- Look and Feel etablierten Anbietern erhebliche Marktanteile abgenommen. Dabei haben wir uns darauf konzentriert, den gesamten Markt mit eigenen Entwicklungen abzudecken und 1995 auch für Reuters das Real-Time Produkt Reuters Junior für die Länder Österreich, Polen und Ungarn entwickelt sowie für den US-Datenanbieter Future Source das neue Real-Time C++ Handelsfrontend. Somit waren wir auch am größten und wichtigsten Markt präsent.

Fürchteten Sie sich nie, dass etwas schiefgeht?

Ich bin ein sehr vorsichtiger Mensch. Ich war zehn Jahre lang als Polizist in Wien tätig und habe ab 1992 neben meinem Studium auch mein erstes FinTech Start-up parallel aufgebaut, und erst, als ich mir ganz sicher war, quittierte ich Ende 1994 meinen Dienst bei der Polizei.

Mit dem Trading-Start Ihres Future- Fonds „Quadriga“ im Jahr 1996 waren sie sicher alle Sorgen los?

Der Erfolg von Superfund setzte erst ab dem Jahr 2000 ein. Bis dahin war das TeleTrader- und Broker-Business lukrativer. Davor lagen neun Jahre harte Arbeit. Inspiriert haben mich die besten CTAs aus den USA, die bereits seit den 80er Jahren erfolgreich Future-Fonds managten. Wir hatten eine gute Trading-Software und sagten uns, das können wir auch. Ab 1998 zählten wir mit Superfund zu den erfolgreichsten Future-Fonds weltweit und hatten ab dem Jahr 2000 enorme Mittelzuflüsse aus dem In- und Ausland. Wir waren der erste Hedgefonds für Retailkunden weltweit. In nur acht Jahren konnten wir das Fondskapital um einen Faktor 5.000 bis auf2 Mrd, USD steigern.

Ist Österreich für Sie der richtige Standort für ein Finanzunternehmen?

In Österreich kann man viel ausprobieren. Zwar ist Wien keine Finanzmetropole wie London oder New York, erfolgreich kann man jedoch überall werden, das ist keine Frage des Standortes. In Österreich gibt es sehr erfolgreiche Unternehmer. Man muss kein Amerikaner sein, um zur Weltspitze aufzusteigen. Superfund wurde zum High- Tech-Finanzexport aus Österreich mit über 12 Standorten in den Finanzmetropolen der USA, Europas und Asiens. Alles ist möglich. Denken Sie daran, was der Österreicher Arnold Schwarzenegger alles erreicht hat: drei Karrieren in drei völlig unterschiedlichen Bereichen, die Spitze der Welt —im Sport bester Bodybuilder aller Zeiten, sieben Mal Mr. Olympia, in der Kunst Nummer 1, Action-Star in Hollywood; in der Politik Gouverneur von Kalifornien.

Wie wird man erfolgreich?

Man muss den Erfolg wirklich wollen und man darf vor harter Arbeit nicht zurückschrecken. Viele Menschen haben gute Ideen, aber es gibt nur wenige, die die Kraft und Ausdauer haben, diese auch wirklich kompromisslos durchzuziehen.

Das heißt, der Standort ist für Sie nicht wirklich das Thema. Warum jammert man hierzulande so viel rum?

Es liegt ein bisschen an der Mentalität. Über Jahrhunderte hat man sich auf den Kaiser verlassen, und jetzt weiß man nicht, auf wen man sich verlassen sollte. Dabei sind die Österreicher gut ausgebildet, nur trauen sich die Leute nichts zu. Ich selbst habe auch erst mit 23 Jahren viel zu spät den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt.

Ein Vermögen von 280 Millionen Euro ist sich aber bis heute ausgegangen.

Das ist ein Gerücht, und diese Summe stimmt mit Sicherheit nicht. Ich wundere mich auch immer, woher diese Zahlen stammen.

Macht Geld träge?

Es geht nicht ums Geld. Ich kenne niemanden, der wegen des Geldes sehr erfolgreich
geworden ist. Wenn es nur ums Geld ginge, würden George Soros und Warren Buffett nicht mehr arbeiten. Beide sind über 80 und arbeiten noch jeden Tag in ihren Unternehmen. Egal wie erfolgreich ein Unternehmer ist, für den Gründer bleibt es immer ein Start-up, in dem es viel zu tun gibt.

Auch bei Ihnen geht es nicht um das Geld?

Es ist noch nie ums Geld gegangen, sondern man will gewinnen und der Beste sein. Zuerst wollte ich mit Superfund die Nummer eins in Österreich werden und international zu den Top-10-Hedgefonds zählen, was wir in ein paar Jahren auch erreicht haben. Jetzt habe ich das Ziel, langfristig zur Weltspitze der systematischen Hedgefonds zu zählen. Wir messen uns mit Namen wie Jim Simons mit seinem Medallion Fund, einem der besten systematischen Hedgefonds der Welt.

Sie haben Ihre Unternehmensaktivitäten in den letzten Jahren deutlich ausgeweitet. In welchen Bereichen sind Sie noch aktiv?

Superfund und Teletrader weltweit an die Spitze zu führen ist mein Hauptfokus. Zum Glück ergänzen sich beide Unternehmen perfekt. Die Qualität von Superfund lebt von Börsedaten und Data-Mining und da ist Teletrader top. TeleTrader ist eine der besten Alternativen zu Reuters oder Bloomberg. Vor drei Jahren habe ich das Unternehmen von der Börse genommen, um es wieder auf Spur zu bringen. Wir haben nun zahlreiche Neuerungen eingeführt, die das Produkt wieder sehr attraktiv machen. Zusätzlich investieren wir in junge Fintech-Unternehmen in den USA, aber auch in Österreich.

Was darf man sich hier in den nächsten Monaten beziehungsweise Jahren aus Ihrem Haus erwarten?

In Palo Alto, Silicon Valley, USA sind wir bereits seit einigen Jahren aktiv. Ich selbst verbringe seit acht Jahren viel Zeit in Kalifornien, um in Start-ups zu investieren. Superfund ist ja bereits seit 2003 in den USA präsent. In Wien und Diex (sonnen- reichster Ort Österreichs) werden wir wie in Palo Alto auch jeweils einen Fintech Incubator starten, um weitere High-Tech- Erfolgsgeschichten im Finanzbereich made in Austria zu ermöglichen. Hier suchen wir junge Talente und innovative Unternehmen, denen wir Know-how, Daten sowie Kapital und Büroflächen zur Verfügung stellen. Ich persönlich stehe für die Start-up-Gründer zur Verfügung.

Welche Fehler sollte man nicht machen, wenn man gründet?

Man muss Fehler machen. Fehler sind gut und produktiv, wenn man daraus lernt. Grundsätzlich sollte man finanzielle Risiken generell vermeiden und keinen Kredit nehmen. Lieber Eigenkapital aufnehmen und einen Anteil an einen Investor verkaufen, der einem noch mit Rat und Tat zur Seite steht. Zudem sollte man immer ehrlich sein— zu seinen Kunden, zu sich selbst und vor allem zu seinen Mitarbeitern. Wenn es einmal nicht gut läuft, neigen viele dazu, sich den Zustand schön zu reden, aber das ist meist der Anfang vom Ende. Gefährlich ist auch Übermut. Wichtig ist immer am Boden zu bleiben und weiter hart am Erfolg zu arbeiten, auch wenn man schon ganz oben ist. Ich war hier immer extrem vorsichtig und habe nie einen Kredit aufgenommen. Das werde ich auch niemals tun.

Sie würden als Jungunternehmer keinen Kredit nehmen?

Nein, die Frage hat sich für mich gar nicht gestellt. Wir haben immer versucht, das Geld, das wir brauchen, selbst zuerst zu verdienen. Bei TeleTrader haben wir vor 15 Jahren Anteile an Investoren abgegeben und so unser Eigenkapital bekommen. Das ist viel besser als jeder Kredit, da man nichts zurückzahlen muss.

War das rückwirkend betrachtet ein Fehler?

Nein, und das kann ich nur empfehlen. Mit Crowdfunding-, Seed- und Venture- Kapital geht heute alles in dieselbe Richtung. Viele vergessen, dass es nicht erst an der Börse Eigenkapital gibt, sondern es schon viel früher Investoren gibt, die an jungen und innovativen Unternehmen Interesse haben. Wir haben es genauso gemachtund heute sind wir Investoren.

Sie sind einer der erfolgreichsten & vermögendsten Österreicher, trotzdem werden Sie oft kritisiert. Stört Sie das nicht?

Ich bekomme das eigentlich gar nicht mit, denn ich bin wenig hier. Aber wenn einem Menschen etwas neidig sind, weiß man, dass man etwas richtigmacht. Neid muss man sich hart verdienen. Zudem wird gerne auf den Preis des Erfolgs vergessen. Man wird nicht von heute auf morgen reich, sondern da steckt sehr viel Arbeit drin. Ich lebe für meine Firmen und meine Kunden, und dabei kommt immer irgendetwas zu kurz: die Freizeit, die Familie, mein Schlaf.

Wegen ihres Wohnsitzes Monaco wirft man Ihnen gerne Steuerflucht vor. Zahlt man in Österreich einfach zuviel Steuern?

Ich bin nach Monaco gezogen, als ich noch nicht mal richtig Steuern sparen konnte, weil ich noch nichts verdient hatte. Davor habe ich in London gewohnt. Monaco ist ein ruhiger Ort, keiner kennt mich. Das Meer, der viele Sonnenschein und die gute Luft tun mir und meiner Familie einfach gut. Daneben bin ich mit meinen Firmen einer der größten Steuerzahler in Österreich.

Als Weltenbummler haben Sie den Blick von außen auf Österreich. Derzeit verlieren wir den Anschluss an Europa. Was läuft aus Ihrer Sicht schief?

Die Politik muss bessere Rahmenbedingungen für die heimischen Unternehmen schaffen. Nur erfolgreiche Unternehmen schaffen Arbeitsplätze und sorgen für Wohlstand im Land. Dafür müssen wir in die Ausbildung der jungen Menschen investieren. Leider hinkt auch hier Österreich weit hinterher. Unser Land hat eine Top- Lebensqualität, Wien ist seit fünf Jahren als Stadt Nummer-eins-Stadt weltweit, und da bin ich als Wiener sehr stolz. Aber als Wirtschaftsstandort haben wir riesige Probleme: Wir sind bei der Steuerquote und den Lohnnebenkosten Weltspitze, und das muss man sich als Unternehmer erst leisten können. Hier sollten wir uns viel mehr an der Schweiz orientieren.

Sie tauchen immer wieder in Hollywoodfilmen auf. Ist die Schauspielerei eine Leidenschaft von Ihnen?

Oliver Stone, er ist seit vielen Jahren ein Kunde bei Superfund, hat mich eingeladen, eine kleine Rolle zu spielen. Das war wirklich spannend, mal hinter die Kulissen einer riesigen Hollywood-Produktion zu schauen. Das war nur ein Hineinschnuppern, mehr wird daraus sicher nicht.